Case Study Costa Rica - Projekt Coral Nurseries

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Problembeschreibung

Wie ein Schutzwall umschließt ein Korallenriff sein Ökosystem und bietet so tausenden, verschiedensten Meeresbewohnern Raum zum Leben. Junge Fische wachsen hier heran, Krebse finden Schutz in ihren Höhlen und Spalten. Mit dem Absterben der Korallen wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, bei der über kurz oder lang auch die anderen Lebewesen im Korallenriff sterben bzw. die Artenvielfalt deutlich eingeschränkt wird. Neben seiner Funktion als Lebensraum haben Korallen auch erstaunliche Mechanismen entwickelt, natürliche Katastrophen wie z. B. Sturmfluten abzufangen. 

Weitläufig unbekannt ist dabei die Tatsache, dass Korallen Tiere sind. Oft werden sie fälschlicherweise für Steine oder Pflanzen gehalten. Korallen können allerdings nur durch die Symbiose mit einer besonderen Art von Algen existieren. Wissenschaftler warnen jedoch davor, dass die Grenzen der Belastbarkeit bald erreicht sind. 

Bedrohlich für ihren Fortbestand sind vor allem Faktoren wie die globale Erwärmung, die Überfischung, Abflüsse aus der Landwirtschaft (z. B. Düngemittel), Bakterien aus sanitären Systemen und auch der Schmuckhandel mit Korallen. All dies wirkt sich auf die Algen aus und somit folglich auch auf die Korallen. Ohne ein überlebensnotwendiges Gleichgewicht zwischen diesen beiden stirbt die Koralle aus und nur ein Skelett bleibt zurück. In Folge dessen bricht das Ökosystem zusammen, denn es gilt als sicher, dass die Korallen dessen wichtigster Stützpfeiler sind.

Wollen wir also die Meere retten, müssen wir uns zunächst um sie kümmern und dabei befinden wir uns in einem Wettlauf mit der Zeit. Ortsspezifisch alarmierende Zahlen wie 50% Diversitätsverlust, 50% Ausbleichung und nur noch knapp 34% lebende Korallen unterstreichen die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs deutlich. 

Mit Hilfe von Korallenaufzuchtstationen (“Coral Nurseries”), sollen zunächst geschützt neue Kolonien entstehen und diese dann in ein natürliches Riff umgesiedelt werden, um so neuen Lebensraum zu schaffen. Vorstellen kann man sich diese wie Kindergärten für kleine Korallenzöglinge. Weltweit wurden so erfolgreich 86 Korallenspezies und über 100.000 Kolonien angelegt mit Hilfe verschiedenster “Kindergarten”-Methoden.

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Vision/Ziele

Costa Rica beheimatet eine der größten Biodiversitäten der Welt – sowohl an Land als auch unter Wasser. Dies erleben die zwei Gründerinnen der im März 2019 ins Leben gerufenen Non-Profit-Organisation “Marine Conservation Costa Rica” täglich hautnah in ihrer Arbeit. Beide sind langjährig-erfahrene Tauchprofis mit wissenschaftlichem Forschungshintergrund und Engagement in vielfältigen Projekten. In über 14 Jahren haben sie selbst unter Wasser beobachten können, dass sich der Korallenbestand in einem alarmierenden Rückgang befindet. Mit ihrem eigenen Projekt, dem “Marine Education Center” haben sie sich ambitionierte Ziele gesetzt - es soll ganzheitlich und nachhaltig für einen gesunden Fortbestand des Meeres gearbeitet werden. Unter Einbeziehung von allem, was dafür notwendig ist und lokal getan werden kann. Das Hauptprojekt ist dabei die Korallenaufzuchtstation, die an 5 verschiedenen Standorten in Quepos/Manuel Antonio (einem der schönsten Marineparks weltweit lt. FORBES) betreut wird. 

Betrachtet werden die drei örtlich am häufigsten vorkommenden Korallen Pavona Gigantea, Porites Lobata und Pocillopora. Die Standorte für die Aufzucht werden zunächst nach spezifischen Auswahlkriterien festgelegt, dann werden verschiedene Arten von Aufzuchtmethoden auf deren örtliche Effektivität getestet, Proben von Korallenzöglingen gesammelt, zur Aufzucht gebracht und fortlaufend gepflegt, sodass sie dann schlussendlich als neue Kolonien in ihre natürliche Umgebung umgesiedelt werden können. Also dahin, wo sie benötigt werden. 

Entlang dieser praktischen Aufgaben wird alles dokumentiert, vermessen und festgehalten, sodass mit diesen Daten ein Ansatz etabliert werden kann, der vor Ort am zukunftsfähigsten und effektivsten in diesem Spezialgebiet ist.

Über das Hauptprojekt hinaus verfolgen sie mit ihrem Bildungszentrum weitere Ziele:

  • Lokale Bevölkerung bilden: Diese soll aufmerksam auf das Problem gemacht werden. Informationen, Workshops, Vorträge und Kurse zu vielfältigen Themen werden angeboten und für jeden zugänglich gemacht.
  • Lokale Firmen weiterbilden: Workshops zum Thema Marineschutz
  • Lokales “Award”-System: Eine Auszeichnung von nachhaltigen und umweltfreundlichen Praktiken von lokalen Gewerben soll entstehen
  • Marine Conservation Curriculum: Dies soll für lokale Schulen entwickelt und etabliert werden
  • Ausbau von Marineschutzprojekten: Weitere Marineschutzprojekte sollen hinzukommen
  • Nachhaltige Produkte: Bekanntmachung, Bereitstellung und zugehörige Information, inwiefern man mit diesen die Umwelt schützen kann

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz soll das Thema im Kern erschlossen werden und einen essentiellen Grundpfeiler für eine Gesunderhaltung des Meeres setzen, der mehr als akut in der heutigen Situation ist.

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Bisherige Erfolge

Da die Organisation erst im März 2019 gegründet wurde finden derzeit die ersten Pilot- und Forschungsarbeiten statt, aus denen für die Zukunft zielgerichtete Erkenntnisse und Handlungsmaßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden sollen. All das passiert in Zusammenarbeit mit SINAC, die vor Ort für die gesamten Marineparks zuständig sind und die Marine Conservation Costa Rica mit diesen Studien exklusiv betraut haben. Alle gewonnenen Erkenntnisse werden dabei an diese zurück berichtet, sodass eine fundierte Analyse für die Region Manuel Antonio/Quepos erstellt wird. Grundlage für die Forschungsarbeiten werden die theoretischen Erkenntnisse der Universität von Costa Rica sein, die somit praktische Anwendung finden. Durch die breite Vernetzung der Non-Profit Organisation mit Universitäten, SINAC und weiteren Projektpartnern besteht vor Ort ein Netzwerk, das sich diesem Ziel angenommen hat und miteinander arbeitet. Die aktuelle Phase ist spannend, da sie Raum bietet für Pionierarbeit, erste grundlegende Forschungsarbeiten und kreative Ideen. 

Herausforderungen

Die größte Herausforderung mit Blick auf den Fortbestand der Korallen ist zweifelsfrei  der Wettlauf mit der Zeit. Es ist wichtig in naher Zukunft die standortspezifisch effektivsten Aufzuchtplätze und Aufzuchtmethoden herauszufinden und Kolonien groß zu ziehen, die dann schnellstmöglich umgesiedelt werden können. Besonders ausschlaggebend ist dabei, dies standortspezifisch und auf wissenschaftlicher Basis zu tun, denn es reicht nicht einfach Korallen groß zu ziehen und umzusiedeln – wenn dies ohne vorangegangene Analyse geschieht werden auch diese Korallen in Kürze wieder absterben. Mit Hilfe von Health Surveys und Reef Check Techniken muss daher zunächst anhand von verschiedenen Indikatoren ermittelt werden, wie gesund die jeweilige Umgebung ist und über den weiteren Zeitverlauf beobachtet werden. Somit haben dann Korallen, die umgesiedelt werden, die beste Chance auf Fortbestand. 

Neben dieser Tatsache kommt es vor allem auch darauf an, diese Entwicklungen in Zukunft einzudämmen. Insbesondere indem ein Bewusstsein für dieses Thema geschaffen wird, denn die ist hoch interessant, macht darüber hinaus Spaß und ermöglicht noch mal einen ganz neuen Blick auf unsere Umwelt und ihre Erfordernisse.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Non-Profit Organisation „Costa Rica Marine Conservation“ besteht seit März 2019 und wurde von zwei Frauen gegründet, die in über 14 Jahren einen kritischen Rückgang der örtlichen Korallenbestände beobachtet haben
  • Beide sind professionelle Taucher (PADI Course Instructor & PADI Master Instructor) mit zusätzlich universitärer Ausbildung im Bereich Marine-und Umweltschutz
  • Insgesamt arbeiten zusammen: Costa Rica Marine Conservation (durchführende Organisation), SINAC (Verwalter der lokalen Marineparks) und die Universität von Costa Rica (Bereitstellung von wissenschaftlicher Grundlagenarbeit)
  • Unterstützende Volontäre werden vor Ihrer Mitarbeit zunächst spezifisch ausgebildet (PADI Coral Rehabilitation Zertifikat, das eigens hierfür entwickelt wurde) und dann in alle anfallenden Arbeiten einbezogen (z. B. Datenerhebung, Probenentnahme, Korallenvermessung, Anlegen und Warten von neuen Nurseries, usw.)
  • Zukünftig werden darüber hinaus die bereits oben genannten Ziele des Bildungszentrums weiter umgesetzt, sodass sich hier laufend weitere, vielschichtige Aufgaben ergeben werden.