Voluntourismus und kurzzeitige Freiwilligenarbeit – durchaus positiv!

Voluntourismus und kurzzeitige Freiwilligenarbeit – durchaus positiv!

Voluntourismus – ein Begriff der leider immer wieder in die negativen Schlagzeilen rückt. Für mich bedeutet Voluntourismus, dass ich meine Zeit beim Reisen durch soziales oder ökologisches Engagement sinnvoll nutze und einen positiven Beitrag in meinem Gastland leiste.

Kritiker stellen zum einen die Nachhaltigkeit der Projektarbeit infrage bei einem nur kurzzeitigen Einsatz. Was könne man denn schon in nur wenigen Wochen erreichen? Und schade ein kurzzeitiger Hilfseinsatz gerade bei sozialen Projekten mit Kindern nicht eher als dass er Gutes hervorbringe?

Was viele Kritiker jedoch vergessen ist, dass die allermeisten nicht-staatlichen geförderten Freiwilligenorganisationen ihre Volontäre nicht in eine intensive 24-Stunden Betreuung der Kinder in sozialen Einrichtungen wie Schulen, Kinderheimen oder Day Care Center schicken. Denn die intensive Betreuung der Kinder muss von festem und ausgebildetem Personal vorgenommen werden, welche eine langfristige Bindung zu den Kindern aufzubauen können. Während unsere Volontäre hierbei einige Stunden am Tag tatkräftig Unterstützung leisten, stellt das feste, pädagogische Personal der Einrichtung die langfristigen Bezugspersonen der Kinder dar.

Und wenn wir mal ehrlich sind – das Argument, Freiwilligenarbeit über einen längeren Zeitraum, zum Beispiel ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr mit intensivem Kontakt zu den Kindern habe einen positiveren Effekt auf die Kinder, lasse ich nicht gelten, gerade wenn keine pädagogische Vorerfahrung erforderlich ist. Über dies hinaus kann die Trennung der Volontäre von den Kindern nach einer längeren Zeit viel schwieriger sein.

Gapforce arbeitet mit sozialen Einrichtungen zusammen, die professionell und erfolgreich von lokalen NGOs und kirchlichen Organisationen geleitet werden. Das beste Beispiel ist unsere Arbeit in der Oudtsoorn Community in Südafrika. Dort arbeiten wir mit einer konfessionellen Einrichtung zusammen, die sich für das Wohl der oft in der Community vernachlässigten Kinder einsetzt.

Auch wenn es sich hart anhört – es geht nicht darum in zwei Wochen die Welt zu retten. Oder in zwei Monaten. Oder einem Jahr. Das wäre wohl das schwierigste Unterfangen der Menschheit. Vielmehr geht es darum, uns „Westerners“ einen Einblick auf allen Ebenen zu verschaffen, in Länder, Gesellschaften, Familien, die oft ein komplett anderes Leben führen. Es geht auch um den kulturellen Austausch. Wie lebst du, wie lebe ich, wo liegen unsere Gemeinsamkeiten? Vielleicht sind wir gar nicht so unterschiedlich, sondern haben dieselben Wünsche, Träume und Vorstellungen vom Leben.

Morgens den Hahn aufdrehen und warmes Wasser haben? Im Winter frieren und die Heizung aufdrehen? Dies ist für die große Mehrheit der Weltbevölkerung eine Illusion. Es geht darum, uns aus unserer Komfortzone zu holen. Jeder, der schon mal mehrere Wochen oder Monate durch ein Entwicklungsland gereist ist, sieht die Realität in welcher der Großteil der Menschen der Welt lebt. Du siehst die Welt mit anderen Augen. Und während du in den 4 Wochen, in denen du Freiwilligenarbeit leistet, nicht die „Welt rettest“, trägst du deinen Teil dazu bei und kommst mit einem anderen Mindset nach Hause zurück.

Und wer weiß, vielleicht entscheidest du dich danach für eine Karriere in der Entwicklungszusammenarbeit, vielleicht beginnst du monatlich für einen guten Zweck, der dir am Herzen liegt, zu spenden, engagierst dich im Fundraising, erzählst Leuten von deinen Erfahrungen, machst sie auf die existierenden Probleme aufmerksam.

Und das ist, natürlich neben der kontinuierlichen Arbeit vor Ort deiner Entsendeorganisation, was ich Nachhaltigkeit nenne.

Gapforce

Antonia Hiesgen

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