Gap Year Programm Updates

Internationales Jahr des Riffs

2018 ist das dritte internationale Jahr des Riffs. Dieses soll die globale Aufmerksamkeit auf den besonderen Wert und die gleichzeitige Bedrohung der Korallenriffe und ihrer zugehörigen Ökosysteme lenken.

Aktuell sind wir zum ersten Mal der Gefahr ausgesetzt, ein gesamtes Ökosystem zu verlieren, von dem wir ganz essentiell abhängig sind. Sollten wir es schaffen, die Korallenriffe zu schützen, werden wir damit nicht nur hunderttausende weitere Spezies retten und in Folge auch Milliarden Menschen weltweit, sondern auch einen entscheidenden Impuls gesetzt haben andere Ökosysteme zu schützen, von denen unser gesamter Planet abhängt.

Bei unserem Programm auf Andros Island, Bahamas, arbeiten wir seit mehr als 10 Jahren daran, hier positiv mitzuwirken. Und es ist uns bewusst, dass diese Herausforderung entweder schnellstmöglich und maximal innerhalb der nächsten 10 Jahre gemeistert oder in Folge für immer verloren sein wird.

Was können wir also tun, wie kannst du aktiv werden und wie können wir uns alle dieser Herausforderung stellen? Um diese Frage zu beantworten haben wir unsere Meeresbiologin Darcy Philpot gefragt. Sie erklärt uns, wie das gapforce-Team auf Andros Island in diesem Bereich zur Zeit arbeitet und was man als Teilnehmer im Projekt beitragen und erwarten kann.

Wir haben unser Meeresbiologin Darcy Philpott interviewt, die auf Andros Island und im gapforce Bahamas Marine Conservation Programm arbeitet. Von ihr wollten wir einmal ganz unmittelbar wissen, was dort vor Ort genau passiert und was man als Teilnehmer des Projekts erwarten kann.

Coral Nursery Image

Worum geht es beim neuen Projekt, Darcy?

Seit April 2018 betreuen wir von gapforce zusammen mit ANCAT (Andros Nature Conservancy and Trust) eine brandneue Korallenaufzucht, sozusagen einen „Kindergarten“ für kleine Korallen, damit diese wachsen und gedeihen zu können. Dies ist Teil einer Initiative des Reef Rescue Networks. Das Ziel dieser Organisation ist es, Projekte zur Wiederherstellung von Korallen umzusetzen und dann mit Blick auf deren Zukunft beständig weiter zu betreuen. Das alles findet auf den Bahamas und in der Karibik statt! Projekte dieser Art werden zu einer immer bedeutenderen Methode, um unser Riffsystem zu rehabilitieren, das unter anthropogenen Effekten und der Korallenbleiche gelitten hat. Andros ist das drittgrößte Barrier Reef weltweit, jedoch sind in den letzten Jahren die Korallenriffe sehr stark zurückgegangen und benötigen daher unbedingt unserer Hilfe.

Gapforce und ANCAT‘s Korallenaufzuchtstation besteht aus drei sogenannten Korallenbäumen, die unterhalb von Wasser und Wellen an einem Standort gelegen sind, der „Sleepy Norman“ getauft wurde. Benannt nach einem Ammenhai, den ich selbst mal so getauft habe, weil er hier oft vor sich hin-dösend zwischen den Felsspalten vorgefunden werden kann. An einer nahegelegenen Stelle haben wir zunächst selbst Korallenfragmente per Hand eingesammelt, um diese an den Korallenbäumen weiter wachsen lassen zu können. Nach einem Jahr werden wir die einstigen Fragmente dann wieder in das Riff zurückbringen, wo sie in Ruhe weiter wachsen können. Dies wird den Lebensraum dann in Folge auch für die anderen Meeresbewohner wieder attraktiv machen, sodass das Ökosystem hier wieder zu voller Blüte und Vielfalt gelangen kann!

Unser Job, den wir in dieser Aufzuchtsstätte derzeit ausüben besteht darin, die Korallenbäume zu warten und zu pflegen, sodass sie auf gesunde Weise wachsen können. Wir tauchen also in regelmäßigen Abständen an diesen Ort, um die Korallensprösslinge von Algen zu befreien (diese könnten sonst einen negativen Einfluss auf deren Wachstum nehmen) und zu beobachten und dokumentieren, wie das Projekt vorangeht. Das Projekt ist eine fantastische Gelegenheit für Volontäre und ich bin superglücklich, hier unmittelbar mitarbeiten zu können. Die Gesundheit von Korallenriffen ist ein ganz substantieller Faktor für den Erhalt der Biodiversität und verantwortlich für Millionen von weiteren Existenzen. Das Projekt hat das Potential das Riffsystem auf Andros zu revitalisieren und wir hoffen, dass wir auch nach diesem Pilotprojekt weitere starten können, um den Korallenfortbestand aufrechterhalten und fördern zu können.

Wie ist gapforce neben dem Korallenprojekt weiterhin auf Andros aktiv?

Coral Nursery Image

Wir freuen uns sehr darüber, auch innerhalb der Gemeinde auf Andros stark eingebunden zu sein. Wöchentlich organisieren wir sogenannte „Beach clean up`s“, um die Strände von Plastik zu befreien, der angespült wurde und dort nicht hin gehört. Die Volontäre sind darüber hinaus auch in der lokalen Grundschule aktiv. Hier bringen sie Schulkindern schon in jungen Jahren bei, warum es wichtig ist sich um das Ökosystem Gedanken zu machen und welche Haie, Schildkröten und Delfine z. B. um sie herum vorzufinden sind (nur um mal ein paar von vielen Meeresbewohnern zu nennen…). Das ganze findet als Unterricht statt, in dem diese Themen auf spielerische und kindgerechte Weise vermittelt werden. Am wichtigsten darüber hinaus ist natürlich unser regelmäßiges Datenerhebungsprogramm im Andros Marine Park. Dies ist ein geschützter Bereich, der sich direkt außerhalb unseres dortigen Camps befindet. Unsere Freiwilligen erheben in Zusammenarbeit mit dem Bahamas National Trust bzw. ANCAT Daten zu Fischarten, Korallen und dem Meeresboden, sodass wir im Zeitverlauf überblicken können, wie es um deren Vielfalt und Zustand bestellt ist.

Kannst du uns sagen, wie ein typischer Tag für einen Volontär auf Andros Island aussieht?

Unser Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang! Wir starten mit einem Frühstück, das aus Porridge besteht – welches die Volontäre erfahrungsgemäß entweder ganz toll finden oder an das sie sich ein wenig gewöhnen müssen. Dann heißt es tauchen, tauchen, tauchen! Wir tauchen in zwei oder drei Gruppen nacheinander, die während dieser Zeit entweder das Tauchen erlernen oder aber Erhebungstauchgänge durchführen. Nachmittags ruhen wir ein wenig aus und gehen z. B. eine Runde schwimmen bei der heißen Sonne. Zum Abend hin wird dann das Essen per Rotationsprinzip zubereitet – d.h. die Volontäre sind verantwortlich dafür und können durchaus kreativ werden! Wöchentlich veranstalten wir auch eine Quiz- bzw. Filmnacht, welche uns immer viel Spaß macht neben der Arbeit die wir vor Ort leisten. Samstagabend ist dann Barbeque-Nacht! Wenn wir also nicht tauchen findet man uns wahrscheinlich an einem von Andros 178 Blue Holes wieder - wobei unser Favorit ganz klar Captain Bills Blue Hole ist, das eine tolle Tauchplattform und auch Picknick-Möglichkeit bietet!

Was sollte ein Teilnehmer erwarten, der am Bahamas Marine Conservation Programm teil nimmt?

Unser Programm ermöglicht es zunächst mal, als kompletter Tauchanfänger anzufangen und dann direkt drei Tauchqualifikationen zu erlangen – den PADI Open Water, Advanced Open Water und Emergency First Response Schein. Dabei sind wir im Fortschritt natürlich ein wenig abhängig von den Wetterbedingungen. Ist das geschehen lehren wir, wie man Erhebungen unter Wasser durchführt, um das Meeresleben und das Riffsystem wissenschaftlich dokumentieren zu können. Sobald dies verstanden ist, wir das Wissen auch direkt angewandt: die Volontäre überprüfen sowohl die Vielfalt und Größe von Fischen und Riffen als auch die Beschaffenheit des Meeresbodens. Unsere Ergebnisse tragen zu den jährlichen Auswertungsdaten bei, welche verwendet werden, um die Effektivität des Andros Marine Parks beurteilen zu können. Neben den dazu-gewonnenen Fähigkeiten gibt es den schönen Nebeneffekt, dass auch ganz praktische Alltagsfähigkeiten gefördert werden. Die Teilnehmer lernen, wie man mit einer Gruppe auf wenig Raum zusammenlebt oder auch, wie man für ein ganzes Team kocht! Natürlich entwickeln sich in dieser intensiven Zeit auch echte Freundschaften mit den Volontären aus aller Welt und ein umfassendes Verständnis für Marineschutzthemen – oft mit dem anschließenden Wunsch, sich für dieses Thema auch weiterhin zu engagieren!

Coral Nursery Image

Welcher Aspekt deiner Arbeit inspiriert dich am meisten?

So klischeehaft es auch klingt – am meisten inspirieren mich die Volontäre, die ich vor Ort treffe und mit denen ich zusammen arbeite. Ihr Enthusiasmus, mehr über dieses Themengebiet zu lernen und ihre Leidenschaft dafür, das Ökosystem des Meeres zu bewahren beeindruckt mich sehr und das macht mir super viel Spaß! Es ist toll dann zu sehen, wie alle ihre Tauchkompetenzen entwickeln und am Ende einer Phase zu kleinen Datenerhebungsspezialisten geworden sind!

Hast du einen Rat für diejenigen, die über eine Teilnahme am Bahamas Marine Conservation Programm nachdenken?

Es ist zweifelsfrei so, dass unsere Lebensbedingungen vor Ort einfach sind – wir leben in einer Holzhütte direkt am Strand (!) aber das bringt im positiven Sinne natürlich auch mit sich, die schönen Dinge im Leben wieder richtig schätzen zu lernen. Allein aber schon die Freundschaften, die sich vor Ort entwickeln und das Tauchen wiegen das jedoch völlig wieder auf. Zusammen mit den vor Ort erlernten Kenntnissen zu Marineschutzthemen ist das Bahamas-Projekt wirklich ein einzigartiges Projekt. Wir haben vor Ort das Glück, einige tolle Lebewesen unter Wasser beobachten zu können, die so zu beeindruckenden Begegnungen werden und Erinnerungen für die Ewigkeit kreieren. Schaut doch einfach mal auf unserer Instagram-Seite vorbei, und seht selbst, in welcher Welt wir dort leben: https://www.instagram.com/greenforcebahamas/