Projektbesuch in Oudtshoorn, Südafrika – Mein Tag als Volontär in St. Luigi’s Zentrum für benachteiligte Kinder

Ich hatte keine Vorstellung, was mich im Township von Oudtshoorn erwartet. Wir wussten jedoch aus Erzählungen, dass dieses Projekt unseres South Africa Explorers zu einem der unvergesslichsten Erlebnisse für die allermeisten Volontäre ist.

Seit unser Expeditionsleiter Barney Anfang 2015 die Kooperation zwischen Gapforce und dem St. Luigi Scrosoppi Centrum startete, hörten wir so viel Gutes über das Projekt in Oudtshoorn. Es war Zeit für einen Projektbesuch.

Morgens um 9 Uhr im Zentrum angekommen, bekam ich von Thapelo erst einmal eine kleine Tour durch St. Luigi’s, wahrlich eine Oase in einer der ärmsten Regionen am Western Cape. Ich hatte die Größe des Zentrums nicht erwartet – vor einem Jahrzehnt noch ein Treffpunkt für den Drogenhandel und die Prostitution, ist dieses damals von der Kirche gekaufte Land nun ein sicherer Hafen für Kinder, um die sich sonst niemand kümmert.

Thapelo war einer der ersten Kinder, die ab 2005 nachmittags für einige Stunden ins Zentrum kamen. Er ist heute immer noch da, aber arbeitet mittlerweile selbst dort. Wir gehen vorbei an Gemüsegärten, einem kleinen Garten mit Pfauen und Gänsen, den Unterkünften der dort lebenden Mönche und Nonnen, dem Volunteershaus, dem Spielplatz und der kleinen Kapelle. Dann laufen wir eine Treppe hoch, die mit ihren 59 Stufen den Rosenkranz darstellt. Es erwartet mich ein toller Ausblick über die Berge und Hügel rund um Oudtshoorn. Auch sehe ich die vielen, mit Blech,- oder Holzplatten provisorisch zusammengehaltenen Hütten des Townships – die meisten nicht isoliert, ohne Schutz vor Wasser und Kälte.

Zurück im Haupthaus des Zentrums treffe ich auf zwei Frauen, selbst aus dem Township, die jeden Tag eine warme Mahlzeit für die Kinder zubereiten, wenn sie aus der Schule kommen. Falls sie in der Schule waren. Sofort werde ich zum Kartoffeln pellen eingeteilt. Noch nie habe ich so viele Kartoffeln geschält – 40 hungrige Kinder müssen später am Nachmittag satt werden!

Draußen bereiten einige der Volontäre die Spiele für den Nachmittag vor. Da kommt mir die Idee: Brennball! Wer kennt es noch aus der Schule? Ok, Brennball steht, und wie sich später zeigen wird, ein voller Erfolg mit den Kindern! Zwei Jungen, vielleicht sieben oder acht, lungern schon seit einiger Zeit vor dem großen Tor rum, überall liegt Müll. Die Kleidung ist durchlöchert und die beiden sind barfuß. In der Schule sind sie wohl heute nicht. Über einen der beiden, Brendan, werde ich später noch mehr erzählen.

Nach dem Lunch zusammen mit den Volontären, möchte mir Thapelo noch den Kindergarten zeigen. Der Kindergarten liegt in der Obhut der Nonnen des Zentrums, die ihn zusammen mit ausgebildeten Sozialarbeiterinnen des Bereichs Förderpädagogik führen. Der Kindergarten ist schön und bunt eingerichtet, überall sind Spielzeuge zu finden. Sofort kommen die Kleinen im Alter von 2-5 auf mich zu gerannt. Sie sind von meinen Haaren fasziniert. Eine der Pädagoginnen erzählt mir, dass hier Kinder aufgenommen werden, die kontinuierlich Medikamente brauchen oder eine Behinderung haben. Fast alle Kinder haben das sogenannte Fetal Alcohol Syndrome, welches durch exzessives Trinken in der Schwangerschaft ausgelöst wird. Andere Kinder mussten nach ihrer Geburt direkt auf Entzug, um die von der Mutter durch die Schwangerschaft übertragenden Drogen loszuwerden. Dann zeigt mir eines der Mädchen ein Bild, das sie gerade gemalt hat. Maria, die Pädagogin sagt: „Die Kleine ist bald mit Ihrer Tuberkulose Behandlung fertig“ und drückt sie an sich.

Kurz vor 2 Uhr kommt Annie rein. Annie, eine der Gründerinnen des Zentrums, hatte ich gestern schon zuhause besucht.

Sie sagt: „Komm spring rein, ich zeige dir das Haus, an dem die Gapforce Gruppe letzte Woche gearbeitet hat!“. So fahren wir los in Richtung der Masse von Holz- und Blechhütten, die ich schon am Morgen von oben gesehen hatte. Überall ist Müll, in alle Himmelsrichtungen, mal ganze Hügel, mal verstreut. Zwischendurch sehe ich ein Pferd, das versucht, zwischen Plastiktüten und Flaschen ein paar Grashalme zu finden.

Noch sind wir im „besseren Teil“ des Townships. Wir sehen die ersten Kinder in Schuluniform, die gerade von der Schule kommen. Dann biegen wir ab und fahren weiter, vorbei an Menschen, die apathisch oder mit sich selbst redend durch die Straßen laufen. Die Drogensucht, meistens Heroin oder Crack, ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Einige Menschen winken Annie aber auch zu. Jeder kennt sie hier.

Wir kommen an einer kleinen Hütte an. Der kleine Garten ist umzäunt und vor der Hütte steht ein Dixie Klo. Dies ist mehr als die meisten haben. Danisa, 12, eines der drei Geschwister, die dort allein wohnen, begrüßt uns. Auf die Frage warum sie nicht in der Schule ist, zeigt sie uns ihre Hand, welche sie sich mit heißem Plastik verbrannt hat. Wir gehen rein. Die Unterkunft besteht aus einem Raum. In der Mitte steht ein Bett. Annie zeigt mir die weißen Platten, die die Gapforce Volontäre innen angebracht haben. Gute Arbeit hätten sie geleistet, jetzt regnete es wenigstens nicht mehr rein und im Winter schütze die Isolierung vor dem kalten Wind. Strom oder fließend Wasser gibt es trotzdem nicht. Es ist auch jetzt stockdunkel im Raum. Trotzdem wurde das, was die Gapforce Gruppe hier geleistet hat, unglaublich dankbar angenommen.

Ich bedanke mich bei Danisa und sage ihr sie soll morgen in die Schule gehen. Sie nickt und lächelt schüchtern. Sie wird sehr wahrscheinlich wieder nicht zur Schule gehen.

Zurück im Zentrum kommen die ersten Kinder. Heute werden es etwa 40 sein zwischen 5 und 14 Jahren. Erstmal werden alle Hände gewaschen. Aller nacheinander in einer Schüssel mit warmen Wasser und Schaum. Auch Brendan kann nun reinkommen. Seine Hose ist zerrissen und so holt eine der deutschen Volontäre ihm eine neue. Sie sagt: „Ja leider hat er jedes Mal wieder seine zerrissene Hose an, wenn er am nächsten Tag kommt, seine Mutter verkauft die neue für Drogen“. Brendan und einige der anderen Kinder spielen auf der Schaukel. Nach etwa einer halben Stunde ist das Essen fertig. Jeder bekommt einen großen Teller. Ich habe um 1 Uhr schon mit den Volontären gegessen und es war wirklich lecker!

Der letzte Teil des Tages ist Brennball! Wir verlassen das den Spielplatz vor dem Haupthaus und gehen runter zur großen Rasenfläche. Dies ist das Highlight für die Kinder, innerhalb von ein paar Minuten sind allen die Spielregeln klar und der Erste wirft den Ball soweit es geht.

So geht der Tag zu Ende und ich habe unglaublich viel zu verarbeiten. Eine der Volontärinnen sagt: „Ich weiß was du denkst, aber man gewöhnt sich dran. Du bekommst so viel zurück, wenn du hier Freiwilligenarbeit leistest“

Hier erfährst du mehr über unser Südafrika und Lesotho Programm.

Gapforce

Antonia Hiesgen

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